Improfeten bekommen La-Ola Welle in Inzell

Improvisations-Kabarett und gutes Essen als frischer Impuls – Trio aus Reichenhall sorgt für kurzweiligen Abend.

-von Hans-Joachim Bittner-

Das erste „Auslandsgastspiel“ fand im kleinen Kreis statt. Wohnzimmer-Ambiente in Inzell. Tatort Binderhäusl. Die Wirtsleute Karoline und Yoshi Keller haben fein aufgedeckt und begrüßen die Gäste mit einem herzlichen Lächeln. In einem Nebenraum springen drei andere auf und ab: die Pidingerin Sandra Meier, Tom Stegmann und Boris Bregar aus Bad Reichenhall. Sie üben. Sprechen, bewegen, locker werden, Adrenalin abbauen. Schon diese Szene mutet skurril an und strapaziert die Lachmuskeln. Ansteckend für jeden, der zufällig vorbeikommt, weil er noch schnell aufs Stille Örtchen muss, ehe es losgeht.


„Fünf, vier, drei, zwei, eins, los“. Lautstark will das Trio vor jeder Sequenz exakt diesen Countdown. Als Startschuss. Es beruhigt die Nerven, vor allem bei Tom Stegmann, der vorher reichlich Nervosität präsentiert. „Ich bin arsch-aufgeregt. Wenn es dann endlich losgeht, wird es schlagartig besser“, lacht der ehemalige Marzoller Fußball-Torwart. Theaterkollege Boris Bregar läuft noch schnell ums Eck, um letzte Requisiten zusammenzukramen. Sandra Meier, fährt sich zum siebten Mal durch die Haare. Sie sitzen grandios. Die 37-Jährige macht das automatisch unbewusst. Sie ist hibbelig und dennoch der Ruhepol der heute dreiköpfigen Kombo. Normalerweise sind sie bis zu acht. Es geht gleich los, jetzt gibt’s kein Zurück... – der Raum wird ruhig.


Sie wissen mit purer Absicht nicht was sie tun. Zumindest haben sie keinen Plan. Sie proben, sie üben, das schon. Aber was an einem Theaterabend der Improfeten alles passiert, ahnen sie nur in Skizzen, latent angerissen. Sie haben einen Rahmen, Themen, sich aber keine einzige Zeile Text ausgedacht oder gar auswendig gelernt. So betreten sie die Bretter, die angeblich die Welt bedeuten. Die erwartungsfrohen Besucher helfen. Sie sind genauso gespannt auf das, was sie da gleich erleben sollten wie Meier, Stegmann und Bregar. Zum Aufwärmen fragt Sandra Meier ihre Gäste nach dem Sternzeichen, nach Schuhgröße und Lieblingsessen. Wild durcheinander, irgendeinen Wortfetzen nimmt sie auf und gestaltet den wortreichen Aperitif des netto gut einstündigen Programms. Dazwischen wird gut gegessen. Das ist neu. „Ich steh auf frische Ideen und ihre Umsetzung“, sagt die Dame des Dreigestirns und lässt sich Kürbiscappuccino und eine Maispoularde auf Dinkelrisotto schmecken.


Sie steigern sich von Minute zu Minute, spielen sich fast in Rage, geben alles. Sandra Meier, zweifelsfrei der ausdrucksstarke Mittelpunkt, schon rein optisch mit knallig roter Bluse. Der zentrale Hingucker. Daneben die beiden Herren in Schwarz, aber nur kleidungstechnisch farblos. Tom Stegmann, der wohl-überlegte Spontane, Boris Bregar der ansteckend gut Gelaunte – beide sagenhaft dialektsicher in der Schweiz, in Schwaben und vor allem in Österreich zu Hause. Das betonte „a“ der rot-weiß-roten Nachbarn von Reichenhalls Ski-Klub-Vorstand Bregar lässt kein Auge trocken. Die Laola-Welle schwappt durchs Binderhäusl. Aktuelle Themen wie der „Marzoller Kuhglockenstreit“ oder die Flüchtlingsproblematik bleiben nicht außen vor.


„Siegfried und Roy“? Kein Problem. Aus dem Stegreif. Zehn Emotionsbegriffe in ein Stückerl einzubauen. Kein Problem. Aus dem Steigreif. Und dazu Sätze, die von den Besuchern notiert wurden. Sätze, die diese untertags irgendwo gehört hatten. „Heid ned“ oder „I kimm glei“ sorgen für zweideutige Erheiterungen, auf Applaus müssen die an diesem Abend bewusst stark reduzierten Improfeten nicht lange warten. Einmal pro Woche wird geprobt. Zwei erfolgreiche Auftritte in der Reichenhaller Heimat zeigten der Laienspielgruppe, dass es weitergehen kann. Noch am Inzeller Abend wird ein weihnachtlicher Auftritt beim Bayerischen Roten Kreuz in Inzell klargemacht, der Terminkalender füllt sich.


Die Improfeten zeigen eines ganz deutlich: Wird eine Sache mit Freude und Spaß ausgeübt, ist das Gelingen nahezu obligatorisch. „Das ist das Leben“, lacht Initiatorin Sandra Meier. Der Plan geht auf, der Funke springt über. Die spontane Theatergruppe wird ihren Weg gehen.

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